Kindernest

Interview mit Claudia Untermoser, Geschäftsführerin

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in Ihrem Unternehmen bereits gelebter Alltag. Was war der Anlass für Sie, Maßnahmen in diesem Bereich für Ihre Mitarbeiter/innen zu erarbeiten und umzusetzen?

Die Schaffung und Sicherung qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsplätze und hochwertiger Arbeitsplätze sind wesentliche Ziele und Aufgaben der Organisation. Es ist uns ein Anliegen, unseren Mitarbeiter/innen ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich weiterentwickeln, unsere gemeinsamen Werte leben und ihre Leistungsfähigkeit erhalten können. Das Miteinander ist geprägt von einem einfühlsamen Aufbau gegenseitigen Vertrauens.

Welche Maßnahmen haben Sie eingeführt?

Im Zentrum der Organisation stehen die Mitarbeiter/innen – die wichtigste Ressource des Unternehmens. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist bei uns wesentlicher Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Jährlich findet ein Karenzfrühstück statt, zu dem alle Mitarbeiterinnen in Karenz eingeladen werden. Dabei werden Informationen ausgetauscht die Personalabteilung steht für Fragen zur Verfügung. Der Wiedereinstieg wird gemeinsam mit der Geschäftsführung unter größter Rücksichtnahme auf die individuellen Bedürfnisse geplant. Es besteht die Möglichkeit das Kind in der Kindertagesstätte, in welcher die Karenzrückkehrerin arbeitet, betreuen zu lassen. Möglich sind außerdem flexible Arbeitszeiten (Vormittags- und Nachmittagsdienste, Teilzeit), Sabbaticals oder Altersteilzeit.

Hospiz- und Pflegekarenzen werden befürwortet, wir unterstützen Mitarbeiter/innen darüber hinaus bei der Antragstellung. Wir setzen stark auf Weiterbildung, Bildungskarenzen und Bildungsteilzeiten werden vereinbart, um eine Ausbildung als optimale Basis für ein berufliches Weiterkommen zu ermöglichen.

Frauen in Führungspositionen können sich im Rahmen eines Coachings oder einer Supervision beraten zu lassen. Denn Gesundheit hat einen hohen Stellenwert in unserem Betrieb: ein eigenes Gesundheits- und Vitalteam steht Mitarbeiter/innen zur Seite, wenn sie sich physisch und psychisch belastet fühlen oder sich in schwierigen privaten bzw. beruflichen Lebenssituationen befinden. Die Beratung ist streng vertraulich und anonym. Mitarbeiterinnen, die nach längerem Krankenstand zurückkehren, werden unterstützt. Darüber hinaus bieten wir Yogakurse, einen eigenen Fitnessraum, Wirbelsäulentraining etc. Auch die Einrichtung von ergonomischen Arbeitsplätzen ist ein wesentlicher Punkt der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Alle zwei Jahre gibt es ein Familienfest bzw. einen Vitaltag für Mitarbeiter/innen und deren Familien, die beide sehr gut ankommen.

Wie haben Sie den Prozess gestartet und wer hat Sie dabei unterstützt?

1993 wurde die „Kindernest“ vom Land Kärnten und dem AMS mit der Errichtung der ersten Kindergruppe beauftragt. Einerseits sollte mit der Gründung von institutionellen Kleinkindgruppen der Wiedereinstieg für Frauen in das Berufsleben nach der Babypause erleichtert werden, andererseits sollte die Qualifizierung jener Frauen die Kleinkinder begleiten ein weiterer Baustein in Richtung „Schaffung von hochwertigen und qualifizierten Frauenarbeitsplätzen“ sein.

Wir haben laufend Unterstützung durch verschiedene Institutionen erfahren und auch deren Angebote wohlwollend in Anspruch genommen, wie z. B. der Kärntner Gebietskrankenkasse, der Initiative „Fit2Work“, des Landes Kärnten, des AMS, des Bundessozialministeriumservice, des Chancen Nutzen Forums, der PVA.

Die Implementierung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat auch Einfluss auf die Außenwirkung des Betriebes. Wie macht sich das in Ihrem Fall bemerkbar?

Wir merken den Erfolg einerseits anhand der Elternzufriedenheit der von uns betreuten Kinder. Unsere Arbeit wird sehr geschätzt, was dazu führt, dass die Nachfrage steigt und die Organisation dadurch laufend wächst. Des Weiteren bekommen wir täglich Bewerbungen von Menschen, die sehr gerne bei uns arbeiten möchten.

Viele Klein- und Mittelbetriebe scheuen sich davor, einen Prozess zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in ihrem Unternehmen zu starten, mit dem Argument, dass es aufgrund der Betriebsgröße schwierig umzusetzen ist. Wie war das bei Ihnen?

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Teil unseres Leitbildes. Somit ist es uns nicht schwer gefallen den Prozess zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in unserem Unternehmen umzusetzen. Es finden laufend Projekte zu diesen Themen statt. Mitarbeiter/innen werden in die Projektentwicklung und -umsetzung mit einbezogen.

Studien belegen, dass Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen steigen. Wie wirkt sich das konkret in Ihrem Unternehmen aus?

Einerseits merken wir die Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen an der niedrigen Fluktuationsrate, die meisten begleiten die Organisation ein langes Stück ihres beruflichen Weges. Außerdem fragen wir die Zufriedenheit regelmäßig mit Fragebögen ab, die außergewöhnlich hohe Rücklaufquoten sowie sehr gute Kennzahlen in punkto Arbeitsbewältigung aufweisen. Krankenstände sind im unteren Bereich der Norm. Ein weiteres Instrument, womit wir Rückschlüsse auf die ziehen können, sind die Elternbefragungen, denn nur zufriedene Mitarbeiter/innen können ihre Arbeit authentisch gut verrichten.

Unsere Mitarbeiter/innen sind sehr eigeninitiativ und lassen ihre eigenen Ideen und viel Kreativität in den Arbeitsalltag einfließen. Die „Kindernest“ g GmbH ist eine stetig wachsende Organisation, was unter anderem auf die hohe Qualität unserer Arbeit zurückzuführen ist, die wiederum ein Resultat der Mitarbeiter/innenzufriedenheit ist.

Welche Empfehlung(en) möchten Sie Unternehmer/innen geben, die mit dem Thema noch ganz am Anfang stehen?

Wir möchten den Unternehmen raten, dass es sich im Sinne eines gesunden erfolgreichen Unternehmens auszahlt, an den Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie auch Gesundheitsförderung dran zu bleiben, auch wenn es sich manchmal neben den alltäglichen beruflichen Herausforderungen nicht sehr einfach gestaltet. Denn zufriedene, gesunde und wertgeschätzte, motivierte Mitarbeiter/innen sind die wertvollste Ressource eines Unternehmens. Dadurch entsteht ein positiver Imagetransfer nach außen, was sich letztlich positiv auf die angebotenen Produkte und Dienstleistungen auswirkt.

Miteinander – Füreinander lautet unser Motto!