Auto Roth

Interview mit Ing. Mag. Bernd Roth Geschäftsführer & Inhaber

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in Ihrem Unternehmen bereits gelebter Alltag. Was war der Anlass für Sie, Maßnahmen in diesem Bereich für Ihre Mitarbeiter/innen zu erarbeiten und umzusetzen?

Wir haben geregelte Arbeitszeiten, dafür hat es keinen Anlass gebraucht. Durch meinen eigenen Nachwuchs habe ich Verständnis für die Situationen der Mitarbeiter/innen mit ihren Jungfamilien. Deshalb können unsere Mitarbeiterinnen (Administration) davon ausgehen, dass sie nach einer Karenzzeit wieder eingestellt werden und auf ihr gewünschtes Arbeitspensum Rücksicht genommen wird.

Welche Maßnahmen haben Sie eingeführt?

Unsere Arbeitsaufträge und Auslastung planen wir so, dass geregelte Arbeitszeiten gewährleistet sind und unserer Mitarbeiter/innen die Zeit neben der Arbeit fix planen können. Kurzfristige Ausfälle beispielsweise durch familiäre Ausnahmesituationen werden direkt der Geschäftsleitung mitgeteilt, die entsprechende personelle Änderungen bei der Zuteilung der Werkstattaufträge durchführt.

Mit Vertretungen karanzierter Mitarbeiterinnen überbrücken wir deren Elternzeit bzw. beziehen wir Frauen auch während der Karenzzeit in Geschäftsprozesse mit ein. Unterschiedliche Arbeitszeitmodelle sind unter Berücksichtigung der Kinderbetreuung möglich.

Wie haben Sie den Prozess gestartet und wer hat Sie dabei unterstützt?

Es gab keinen bestimmten Start. Wir leben die Vereinbarkeit und vermitteln damit die Einstellung eines Familienbetriebes. Das bedeutet nicht nur, dass eine Unternehmerfamilie das Geschäft leitet, sondern dass sich jede/r Mitarbeiter/in als Teil dieser Familie sehen kann. Uns ist die Verantwortung bewusst, dass es auch um die Familien der Mitarbeiter/innen geht und unseren Mitarbeiter/innen ist wiederum bewusst, dass jede/r  Verantwortung an der Entwicklung des Unternehmens trägt. Nur wenn jede/r seinen/ihren Beitrag leistet, sind Flexibilität und Qualität gewährleistet.

Die Implementierung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat auch Einfluss auf die Außenwirkung des Betriebes. Wie macht sich das in Ihrem Fall bemerkbar?

Unmittelbar profitieren neben den Mitarbeiter/innen deren Familienangehörige von unserer Flexibilität bzw. geregelten Arbeitszeiten. Einerseits dadurch, dass nach der Arbeit Zeit für die Familie ist und andererseits, dass in Notfällen immer mit Verständnis und Flexibilität des Unternehmens gerechnet werden kann.

Viele Klein- und Mittelbetriebe scheuen sich davor, einen Prozess zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in ihrem Unternehmen zu starten, mit dem Argument, dass es aufgrund der Betriebsgröße schwierig umzusetzen ist. Wie war das bei Ihnen?

Loyale Mitarbeiter/innen sind es wert, dass man auch auf sie Rücksicht nimmt. Es bedarf nicht vieler Veränderungen, um auf Wünsche und Ausnahmesituationen von Mitarbeiter/innen einzugehen.

Studien belegen, dass Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen steigen. Wie wirkt sich das konkret in Ihrem Unternehmen aus?

Eine geringe Fluktuation wie in unserem Unternehmen ist in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Mitarbeiter/innen, die nach über 40 Jahren geregelt in die Pension verabschiedet werden; Lehrlinge, die gerne im Unternehmen die Karriere fortsetzen; Angestellte, die nach ihrer Karenzzeit ins Unternehmen zurückkehren.

Täglich: Während der Arbeitszeit können wir von einer hohen Arbeitsqualität und Intensität ausgehen – ich denke, dass dies das Resultat einer genauen Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit ist.

Welche Empfehlung(en) möchten Sie Unternehmer/innen geben, die mit dem Thema noch ganz am Anfang stehen?

Versetzen Sie sich in die Situation Ihres/Ihrer Angestellten!