Almwellnes-Resort Tuffbad

Interview mit Eva-Maria Oberluggauer, Inhaberin

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in Ihrem Unternehmen bereits gelebter Alltag. Was war der Anlass für Sie, Maßnahmen in diesem Bereich für Ihre Mitarbeiter/innen zu erarbeiten und umzusetzen?

Als Mutter zweier Kinder weiß ich, welche Herausforderung es darstellt, Familie und Beruf miteinander zu vereinen. 95% unserer Mitarbeiter/innen stammen zudem aus der Region und haben größtenteils Familie daheim. Da ist ein gegenseitiges aufeinander zugehen Pflicht und Ehrensache.

Welche Maßnahmen haben Sie eingeführt?

Unsere Mitarbeiter/innen haben eine 5-Tage-Woche, was in der Gastronomie eher selten vorkommt. Viele Mütter sind halbtags beschäftigt und am Abend daheim bei ihren Kindern. An den freien Tagen und in ihrer Freizeit gehört es zum Standard, dass die Mitarbeiter/innen nicht gestört werden, sie anzurufen ist streng verboten. Jede/r hat das Recht, sich in Ruhe erholen zu dürfen. In der Hauptsaison, wie z.B . Weihnachtsferien, Silvester oder Ferien engagieren wir auch gerne ein Kindermädchen, das sich um die Kleinen kümmert und mit ihnen spielen oder schwimmen geht, während Mama oder Papa arbeiten. Am Heiligen Abend und am Christtag haben wir generell geschlossen, sodass alle daheim die Zeit mit ihren Familien verbringen können.

Wie haben Sie den Prozess gestartet und wer hat Sie dabei unterstützt?

In persönlichen Mitarbeiter/innen-Gesprächen wurden die Anregungen und Lebenssituationen jeder einzelnen Mitarbeiter/in besprochen und erfasst und entsprechend in die Arbeitsprozesse des Betriebes integriert. Hier bedarf es der Unterstützung aller Kolleg/innen, ein Miteinander und die Unterstützung, dann zur Stelle zu sein, wenn Kolleg/innen private Verpflichtungen haben.

Die Implementierung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat auch Einfluss auf die Außenwirkung des Betriebes. Wie macht sich das in Ihrem Fall bemerkbar?

Unser Betrieb ist für seine Familienfreundlichkeit bekannt. Das hilft uns natürlich auch, neue, engagierte Mitarbeiter/innen zu finden und in unseren Betrieb zu integrieren. Es hat sich bereits herumgesprochen, dass wir nach Möglichkeit auf die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter/innen eingehen und sozial interagieren.

Viele Klein- und Mittelbetriebe scheuen sich davor, einen Prozess zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie in ihrem Unternehmen zu starten, mit dem Argument, dass es aufgrund der Betriebsgröße schwierig umzusetzen ist. Wie war das bei Ihnen?

Ich bin der Meinung, dass es in Zukunft weit schwieriger sein wird, motivierte Fachkräfte zu rekrutieren als einmal ein familienfreundliches Konzept auszuarbeiten und dann in weiterer Folge nur mehr zu verfeinern. Ohne zufriedenen Mitarbeiter/innen kann ein Betrieb nicht 100%ige Qualität bringen, dazu gehört nun einmal auch, sich mit dem Lebensumfeld der Mitarbeiter/innen auseinanderzusetzen. Das erfordert zu Beginn natürlich einen enormen Aufwand, es wird in weiterer Folge dann aber immer einfacher und bringt letztendlich einen enormen Gewinn.

Studien belegen, dass Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen steigen. Wie wirkt sich das konkret in Ihrem Unternehmen aus?

Unter den Mitarbeite/innen besteht ein sehr gesundes und sehr freundliches Arbeitsklima, welches dann auch natürlicherweise 1:1 auf die Gäste übertragen wird. Man kann durchaus sagen, dass die Mitarbeiter/innen aus Sicht des Gastes daher den größten Anteil zum Erfolg dieses Betriebes beitragen.

Welche Empfehlung(en) möchten Sie Unternehmer/innen geben, die mit dem Thema noch ganz am Anfang stehen?

Ich kann nur jeder Unternehmerin/jedem Unternehmer empfehlen, sich lieber gestern als morgen mit diesem Thema zu befassen, denn ohne Einbezug der Mitarbeiter/innen und ohne Rücksicht auf deren Lebenssituation wird es in Zukunft mehr als schwierig werden, hochmotivierte, qualifizierte und engagierte Mitarbeiter/innen zu bekommen, die noch dazu zu 100% hinter dem Betrieb stehen.